{"id":505,"date":"2015-03-05T14:36:55","date_gmt":"2015-03-05T14:36:55","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=505"},"modified":"2015-12-26T22:13:37","modified_gmt":"2015-12-26T22:13:37","slug":"5-ueber-glauben-und-nicht-glauben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=505","title":{"rendered":"7.- \u00dcber Glauben und Nicht-Glauben"},"content":{"rendered":"<p>Wir Menschen kommen ohne Glauben nicht aus. Es fragt sich nur, woran wir glauben. Glauben wir nur das, was wir nicht wissen (weil die Wissenschaft noch nicht so weit ist) oder glauben wir an ein h\u00f6heres Wesen, an eine universelle Kraft, an einen Gott?<\/p>\n<p>Um <strong>Missverst\u00e4ndnisse<\/strong> zu vermeiden: Die Frage, woran wir glauben, kann auch anders verstanden werden \u2013 im Sinne von: mein Glaube, wie die Welt ist und wie sie sein wird. Dieses Wortverst\u00e4ndnis kommt zum Beispiel in folgendem Satz zum Ausdruck: \u201eich glaube, dass die Liebe st\u00e4rker ist als der Hass\u201c. Oder: \u201eich glaube, der Mensch ist des Menschen Wolf\u201c. Oder: \u201eich glaube an die Wissenschaft\u201c, ich glaube an die charakterliche H\u00f6herentwicklung des Menschen\u201c, \u201ean eine bessere Zukunft\u201c. In solchen und \u00e4hnlichen S\u00e4tzen dr\u00fccken sich Einsch\u00e4tzungen, Werthaltungen, vielleicht Hoffnung oder Pessimismus aus: eine grunds\u00e4tzliche Weltsicht. Das verstehe ich in diesem Beitrag <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span> unter Glauben.<\/p>\n<p>Ich will hier dar\u00fcber nachdenken, <strong>worin sich ein gl\u00e4ubiger Mensch von einem ungl\u00e4ubigen Menschen unterscheidet, was beide antreibt, was sie denken und glauben.<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt sehr viele <strong>Menschen ohne \u201espirituelle Antenne\u201c<\/strong>. Sie reagieren mit Unverst\u00e4ndnis, Abneigung oder gar Spott auf Gedanken und Gef\u00fchle, die sich nicht auf reale Begebenheiten beziehen, sondern auf \u00fcbersinnliche, transzendente, nicht rational erfassbare Dinge und Geschehnisse. Sie k\u00f6nnen nicht verstehen, was Menschen dazu bringt, an einen Gott zu glauben. Sie halten diesen \u201eGott\u201c f\u00fcr eine Einbildung, die nur eine Scheinsicherheit bietet.<\/p>\n<p>Die Argumentation der Nicht-Gl\u00e4ubigen <strong>st\u00fctzt sich auf Logik<\/strong>. Metaphysische Spekulationen langweilen sie. Sie nehmen die erfahrbare Wirklichkeit wie sie ist \u2013 im Abwehrkampf gegen ihre Zumutungen &#8211; und gestalten ihr reales Leben mehr oder weniger erfolgreich.<\/p>\n<p>Umgekehrt k\u00f6nnen <strong>Menschen mit transzendenten Neigungen<\/strong> \u2013 seien diese nun von esoterischer oder religi\u00f6ser Art \u2013 nicht nachvollziehen, wie ihre ungl\u00e4ubigen Mitmenschen ohne diese \u201eAntenne f\u00fcr eine andere Wirklichkeit\u201c ein ruhiges, gl\u00fcckliches Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Denn sie stecken ja in einer finsteren, \u201eunerl\u00f6sten\u201c Welt ohne Sinn, quasi ans Diesseitige gefesselt, den Ungerechtigkeiten und B\u00f6sartigkeiten der M\u00e4chtigen ausgeliefert &#8211; ohne Hoffnung auf eine andere, bessere Welt (allenfalls orientiert an wirklichkeitsfernen Utopien, dass der Mensch besser werde und die Welt irgendwann human gestalten k\u00f6nne). In den Augen der Gl\u00e4ubigen wenden die \u201eUngl\u00e4ubigen\u201c sich \u201eanderen G\u00f6ttern\u201c zu, indem sie Geld und Erfolg oder \u201esinnliche Gen\u00fcsse\u201c als das H\u00f6chste \u201eanbeten\u201c.<\/p>\n<p>Die Argumentation der Gl\u00e4ubigen <strong>st\u00fctzt sich auf Intuition<\/strong>. Es sind Menschen, die sich weigern, die erfahrbare Wirklichkeit als die einzige anzuerkennen. Sie akzeptieren nicht die Realit\u00e4t als das Letztg\u00fcltige: das Misstrauen zwischen den Menschen, den Hass, die Verachtung, die Geringsch\u00e4tzung, die Beherrschung der Schwachen durch die Starken, der Armen durch die Reichen, der Ohnm\u00e4chtigen durch die M\u00e4chtigen. Sie beklagen die \u201etranszendentale Obdachlosigkeit\u201c der Gesellschaft, in der sie leben.<\/p>\n<p>Sie glauben an eine Welt, in der andere Gesetze (eine andere Ordnung) gelten: wo \u201edas Lamm neben dem L\u00f6wen liegt\u201c (Bibel-Zitat), wo der Schwache vor dem Starken keine Angst haben muss, wo Vergebung und Liebe st\u00e4rker sind als Vergeltung und Hass. Kurz: sie glauben, dass es neben der realen (wissenschaftlich beschreibbaren) Wirklichkeit noch eine \u201eandere Wirklichkeit\u201c gibt, die \u201eh\u00f6her ist als alle Vernunft\u201c (Bibel-Zitat). Auch wenn sie diese \u201e\u00fcberweltliche\u201c Kraft, ihren Gott nicht verstehen k\u00f6nnen, vertrauen sie auf ihn und f\u00fchlen sich geborgen. Sie umschreiben ihre \u201eh\u00f6here Ordnung\u201c mit den Stichworten \u201eGlaube-Liebe-Hoffnung\u201c. Sie bem\u00fchen sich, ihr Verhalten nach den Gesetzen dieser (geglaubten) Welt auszurichten und hoffen, dass so die (reale) Welt etwas freundlicher wird.<\/p>\n<p>Der Glaube im hier skizzierten Sinn ist also <strong>etwas anderes als ein \u201ef\u00fcr wahr Halten\u201c<\/strong>, eine Spekulation, mit der Wissensl\u00fccken \u00fcberbr\u00fcckt werden sollen. Dieser Glaube kann nicht in einen Widerspruch zu Ergebnissen der Wissenschaft geraten. Denn es geht um unterschiedliche Dimensionen der Wirklichkeit: um die empirisch und statistisch erfassbare Wirklichkeit (auf der Basis von Naturgesetzen) auf der einen Seite und um die geglaubte Wirklichkeit (auf der Basis spiritueller Gesetze) auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>Da sich <strong>die Existenz eines Gottes<\/strong>, einer \u201eh\u00f6heren Ordnung\u201c, <strong>weder beweisen noch wissenschaftlich ausschlie\u00dfen<\/strong> l\u00e4sst, sind beide Personengruppen im weitesten Sinne <strong>Menschen, die glauben<\/strong>. Entweder sie glauben, dass es au\u00dferhalb der mit den Sinnen erfahrbaren und mit dem Verstand begreifbaren Wirklichkeit nichts gibt oder sie glauben, dass es da doch etwas gibt, mit dem sich eine mehr oder weniger deutliche Vorstellung von einer \u00fcbersinnlichen, \u201ejenseitigen\u201c Macht oder Kraft verbinden l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Ist der Mensch gut oder schlecht<\/strong>? In der Antwort auf diese Frage unterscheiden sich die christliche Lehre und die kommunistische Weltanschauung. Die Christen glauben, der Mensch sei von Grund auf b\u00f6se und k\u00f6nne erst durch den Glauben davon \u201egeheilt\u201c werden. Der Kommunist glaubt, der Mensch sei von Grund auf gut und nehme nur durch b\u00f6se \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde \u2013 durch \u201edie Verh\u00e4ltnisse\u201c &#8211; schlechte Eigenschaften an. Seien die Verh\u00e4ltnisse gut, dann werde (und verhalte sich) der Mensch auch gut. Und wenn \u2013 in der \u00dcbergangszeit &#8211; noch \u201eb\u00fcrgerliche Einfl\u00fcsse\u201c in ihm stecken, m\u00fcsse er umerzogen werden.<\/p>\n<p>Ich meine, der Mensch neigt sowohl zu gutem als auch zu schlechtem Verhalten \u2013 und welche Neigungen die Oberhand gewinnen, h\u00e4ngt vor allem davon ab, wie er aufgewachsen ist (welche Bezugspersonen ihn wie gepr\u00e4gt haben) und ob er sich stark genug f\u00fchlt, um sich im Lebenskampf zu behaupten, ohne dem Anpassungsdruck nachzugeben, der ihn von der Realisierung seiner guten Absichten abhalten will (<a title=\"2.- Soziale Angst und Anpassung\" href=\"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=259\">Beitrag 2<\/a>).<\/p>\n<p>Wer sich mit der Welt &#8211; so wie sie ist &#8211; nicht abfinden will und sich stattdessen selbst und die Welt zum Besseren ver\u00e4ndern will, der kann das als Gl\u00e4ubiger und Nicht-Gl\u00e4ubiger gleicherma\u00dfen tun. Auch <strong>Menschen ohne religi\u00f6sen Hintergrund<\/strong> hoffen, dass gegenseitiger Respekt und R\u00fccksichtnahme die Oberhand gewinnen gegen\u00fcber den b\u00f6sen M\u00e4chten, die scheinbar (empirisch gesehen) die Welt beherrschen. Hier stellt sich die Frage: haben sie es im Vergleich mit ihren gl\u00e4ubigen Mitk\u00e4mpfern leichter oder schwerer, ihr menschenfreundliches Verhalten gegen starke Widerst\u00e4nde durchzuhalten? Sie vertrauen auf ihre Vernunft und auf moralische Ma\u00dfst\u00e4be und bekommen ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihren selbst gesetzten Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgen. Letztlich stehen sie allein in ihrer Verantwortung vor sich selbst.<\/p>\n<p><strong>Die Gl\u00e4ubigen dagegen<\/strong> vertrauen weniger auf sich selbst als vielmehr auf die \u201evon Gott gegebene Kraft\u201c in sich. Sie beten, dass ihnen diese Kraft erhalten bleibt und \u201ebekennen ihre S\u00fcnde\u201c, wenn sie versagt haben \u2013 in der Gewissheit, dass ihnen \u201evergeben\u201c wird. Das sind zwei unterschiedliche Denk- und Empfindungswelten \u2013 der eine findet sich besser in der einen, der andere in der anderen zurecht.<\/p>\n<p><strong>Die \u201eGl\u00e4ubigen an die Machbarkeit des Guten<\/strong>\u201c \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie religi\u00f6s oder \u201eweltlich\u201c motiviert sind \u2013 wirken gelegentlich naiv, gutgl\u00e4ubig, blau\u00e4ugig-lebensfern <strong>im Vergleich zu Realisten<\/strong>, die sich allein um sich selbst und ihren materiellen Erfolg k\u00fcmmern. Ihre Art und Weise, wie sich \u201eGutmenschen\u201c bei Interessengegens\u00e4tzen verhalten, wirkt entsprechend gehemmt, skrupelbehaftet, defensiv. Und sie fallen leichter auf Betr\u00fcgereien rein, weil sie in ihrer Naivit\u00e4t (weil sie von sich auf andere schlie\u00dfen) L\u00fcgen und b\u00f6se Absichten schlecht durchschauen. Allerdings sollte diese lebensferne &#8211; besser: lebensunt\u00fcchtige \u2013 Haltung nicht als zwangsl\u00e4ufig mit dem \u201eEngagement f\u00fcr das Gute\u201c verbunden gesehen werden. Das Gute anstreben und tun ist auch in sehr realistischer Weise m\u00f6glich: in Kenntnis der Bosheiten und Tricks, mit denen zu rechnen ist. In der Bibel hei\u00dft es in diesem Sinne: \u201eSeid klug wie die Schlangen\u201c.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum <strong>Vergleich der s\u00e4kularen (von irrationalen \u201eGesetzen\u201c freien) mit der religi\u00f6s gebundenen Welt:<\/strong><\/p>\n<p>Das h\u00f6chste Prinzip <strong>des \u201eaufgekl\u00e4rten\u201c<\/strong>, an keine anderen als an vom Menschen formulierte Gesetze gebundenen <strong>Menschen<\/strong> ist seine <strong>Freiheit und Selbstbestimmung<\/strong>. In der s\u00e4kularen Welt \u2013 der Welt ohne Gott &#8211; steht es im freien Belieben jedes Menschen, wie er sich im Rahmen der geltenden Gesetze verh\u00e4lt: ob er sich die Freiheit nimmt, seine Mitmenschen zu bel\u00fcgen, auszubeuten, zu hintergehen, zu mobben\u2026Er kann seine Freiheit zu Lasten anderer Menschen ausleben, so lange er keine Vorschriften verletzt (oder sich bei ihrer Verletzung nicht ertappen l\u00e4sst). Um die L\u00fccke zwischen Legalit\u00e4t und Legitimit\u00e4t zu f\u00fcllen, kann er moralische Regeln befolgen. Wenn er sie verinnerlicht, machen sie ihm ein schlechtes Gewissen, wenn er sie verletzt. Kurz gesagt: Der Mensch ist die letzte Instanz \u2013 es gibt keine Autorit\u00e4t \u00fcber ihm.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber unterwirft sich <strong>der religi\u00f6s gl\u00e4ubige Mensch<\/strong> freiwillig einer Werteordnung, die sich auf einen Gott bezieht und aus \u201eheiligen B\u00fcchern\u201c abgeleitet ist, die ihre \u201eHeiligkeit\u201c damit begr\u00fcnden, dass in ihnen Zeugnisse von Menschen mit \u201edirektem Draht nach oben\u201c dokumentiert sind. Bekanntlich wurde im Nahmen der gro\u00dfen Religionen schon unz\u00e4hlige Verbrechen begangen und auch heute noch wird bei entsprechender Interpretation der Texte grob gegen Grundprinzipien der Humanit\u00e4t versto\u00dfen. Die \u201eg\u00f6ttlichen Botschaften\u201c der Bibel, des Korans und anderer \u201eheiliger B\u00fccher\u201c k\u00f6nnen also sehr unterschiedlich verstanden werden. Sie k\u00f6nnen zu Mord anstiften, aber auch zum Frieden und zur Liebe.<\/p>\n<p>Das Gef\u00e4hrliche am Glauben sind die Missverst\u00e4ndnisse, denen Gl\u00e4ubige anheimfallen, wenn sie die Texte ihrer \u201eheiligen B\u00fccher\u201c nicht im Lichte ihrer Entstehungsgeschichte, also unkritisch lesen und interpretieren. <strong>Einige Beispiele f\u00fcr gef\u00e4hrliche Missdeutungen:<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Falsche Gewissheiten: Wenn sich eine der monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) bei der Auslegung ihrer \u201eheiligen Schriften\u201c anma\u00dft, das allein g\u00fcltige Verst\u00e4ndnis vom g\u00f6ttlichen Willen zu besitzen. Das f\u00fchrt zu Intoleranz und Gewalt \u2013 also zum Gegenteil dessen, was der Gl\u00e4ubige eigentlich will und braucht.<br \/>\n\u2022 Gottesbild: alle drei Religionen kennen das Gebot: \u201eDu sollst Dir kein Bild von Gott machen\u201c. Wenn die jeweiligen Kirchen, um sich gegeneinander abzugrenzen, trotzdem Dogmen festlegen, dann befinden sie sich auf einem falschen Weg, der bereits zu Religionskriegen und zur Diskriminierung Andersgl\u00e4ubiger gef\u00fchrt hat.<br \/>\n\u2022 Der manipulierbare Gott: Gl\u00e4ubige neigen manchmal zu der Vorstellung, Gott m\u00fcsste ihnen zur Hilfe eilen, wenn er im Gebet dazu aufgefordert wird. Er d\u00fcrfe diese Bitte nur mit gutem Grund abschlagen: wenn er den Bittenden wegen seiner S\u00fcnden bestrafen und\/ oder ihn erziehen will. Ein solches naives Gottesverst\u00e4ndnis macht Gott zu einem Diener der eigenen W\u00fcnsche. (Der \u201ehimmlische Vater\u201c wird wie ein guter menschlicher Vater gesehen).<br \/>\n\u2022 Der Gott der Angst: Wenn unter Berufung auf bestimmte Textstellen mit \u201eewiger Verdammnis\u201c, \u201eH\u00f6llenqualen\u201c, \u201eFegefeuer\u201c und \u00e4hnlichem Unsinn gedroht wird, wenn der Mensch nicht an Gott glaubt oder der Gl\u00e4ubige schwere Verfehlungen begeht, dann mag das zwar die Mitgliederzahl in der Kirche positiv beeinflussen, widerspricht jedoch fundamental der Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen.<br \/>\n\u2022 Der institutionalisierte Gott: Wenn die urspr\u00fcnglich gute Idee, dass sich die Gl\u00e4ubigen regelm\u00e4\u00dfig treffen, um ihre \u201eErfahrungen mit Gott\u201c untereinander auszutauschen und sich dabei gegenseitig im Glauben zu st\u00e4rken, pervertiert worden ist. Ich denke hier an solche Kirchen und \u00e4hnliche organisatorische Formen, bei denen die Gefahr besteht, dass der Glaube seine Lebendigkeit verliert und zum Ritual verk\u00fcmmert. Der Gl\u00e4ubige wird zum Vereinsmitglied, weil es sich in dem jeweiligen Kulturkreis so geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Diese f\u00fcnf in meinen Augen wichtigsten (am weitesten verbreiteten) Fehlentwicklungen in der \u201eWelt des Glaubens\u201c machen deutlich, wie schwer ein Glaube ist, der sich von groben Irrt\u00fcmern frei macht.<\/p>\n<p>Ich denke: im Verhalten ist ein Mensch, der sich mit seinen \u201einneren Wurzeln\u201c im Bereich der Transzendenz verortet hat, nicht zu unterscheiden von einem Menschen, der auf diese Transzendenz verzichtet (weil er daf\u00fcr keine \u201eAntenne\u201c hat) und sich nach besten Kr\u00e4ften bem\u00fcht, ein \u201eguter Mensch\u201c zu sein, indem er moralische Regeln einh\u00e4lt. Er will \u201edem Menschen ein Mensch sein und nicht ein Wolf\u201c (Polt).<\/p>\n<p>Ein solcher Mensch, der auf die \u201eg\u00f6ttlichen Gesetze\u201c als Leitlinie verzichtet, vertraut allein auf seinen \u201einneren Kompass\u201c \u2013 wohl wissend, dass sein Gef\u00fchl f\u00fcr \u201erichtig\u201c und \u201efalsch\u201c sehr anf\u00e4llig ist gegen\u00fcber dem herrschenden Zeitgeist.<\/p>\n<p>Denn auch in der <strong>s\u00e4kularen Welt hat es schon gef\u00e4hrliche Geistesstr\u00f6mungen<\/strong> gegeben. Ich denke an ideologische Fehlentwicklungen wie Nationalismus, Rassismus, engstirnigen Kommunismus, Feudalismus. Menschen, die sich mit einer dieser Str\u00f6mungen identifizierten, folgten seinerzeit oft hohen Idealen und meinten, nur in Befolgung ihrer (heute als ideologisch entlarvten) Vorstellungen sei die eigene Gemeinschaft oder gar die Menschheit vor Abgr\u00fcnden zu retten.<\/p>\n<p><strong>Und wie steht es mit mir selbst?<\/strong> Glaube ich an Gott? Ja, das tue ich. Jedoch ist f\u00fcr mich Gott nicht das, was \u00fcber ihn in den \u201eheiligen B\u00fcchern\u201c und den aus ihnen abgeleiteten Dogmen der Religionen und Konfessionen festgeschrieben ist. Ich mache mir kein Bild von Gott \u2013 bis auf dieses: es ist eine Macht, die es mit dem Menschen gut meint, wenn auch in einer Art und Weise, die wir Menschen nie verstehen und erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. <strong>Gott ist f\u00fcr mich ein Wort f\u00fcr Leben.<\/strong> Auch das Leben ist ein unergr\u00fcndliches Geheimnis, wenn wir es jenseits seiner Oberfl\u00e4che ergr\u00fcnden wollen. Das Leben = Gott ist Wille und Gesetz &#8211; h\u00f6her als die menschliche Vernunft. \u201eDein Wille geschehe\u201c ist das angemessene Gebet. Wir sind als Menschen Gottes Gesch\u00f6pfe (Gesch\u00f6pfe des Lebens), die eine W\u00fcrde haben, die in sich selbst begr\u00fcndet ist (\u201eGesch\u00f6pfe Gottes\u201c, \u201eGott in uns\u201c). Wir sind Gesetzen \u201edes Lebens\u201c (dem g\u00f6ttlichen Willen) unterworfen, die (den) wir nur erahnen k\u00f6nnen. Wir Gl\u00e4ubigen ehren das Leben (\u201egehorchen Gott\u201c), indem wir nach Antworten suchen, wie wir dem Leben &#8211; den Menschen und allen Kreaturen &#8211; dienen k\u00f6nnen, und ziehen daraus praktische Schl\u00fcsse f\u00fcr unser Verhalten.\u00a0 <a title=\"0.- Inhaltsverzeichnis\" href=\"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=220\">zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir Menschen kommen ohne Glauben nicht aus. Es fragt sich nur, woran wir glauben. 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