{"id":322,"date":"2015-02-05T12:31:16","date_gmt":"2015-02-05T12:31:16","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=322"},"modified":"2015-12-25T00:12:18","modified_gmt":"2015-12-25T00:12:18","slug":"medien-und-macht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=322","title":{"rendered":"Medien und Macht (Dem. 13)"},"content":{"rendered":"<p>Ein Blick in die Zeitung ist ein Blick in die Welt au\u00dferhalb unseres unmittelbaren Erfahrungsraumes. Die Massenmedien erlauben es uns, mit Tatsachen und Meinungen in Ber\u00fchrung zu kommen, die uns sonst verborgen bleiben w\u00fcrden. Aus eigenen Erfahrungen und aus dem, was wir aus den Medien wissen, formt sich unser Bild von der Welt.<\/p>\n<p>Wer sich mit strategischem Wissen (<a title=\"3.- Wozu brauchen wir unser Wissen?\" href=\"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=25\">siehe Beitrag 3<\/a>) begn\u00fcgt \u2013 sich also auf die pragmatische Bew\u00e4ltigung seines Lebens in Familie, im Beruf und in seiner Freizeit beschr\u00e4nkt \u2013 der braucht keine Medien oder nimmt ihre Informationen nur als Hintergrundrauschen wahr. Wer sich jedoch die Zeit und Kraft nimmt (nehmen kann und will), \u00fcber den eigenen Tellerrand das Geschehen zu beobachten und zu deuten \u2013 also an Orientierungswissen interessiert ist \u2013 f\u00fcr den ist die Nutzung von Medien (Zeitungen, B\u00fccher, TV, H\u00f6rfunk, Blogs, digitale Medien\u2026) unverzichtbar.<\/p>\n<p>Bevor ich zur Machtfrage \u00dcberlegungen anstelle, will ich kurz die \u201epers\u00f6nliche\u201c Beziehung des politisch interessierten Menschen zu den Medien reflektieren.<\/p>\n<p>Die meisten Menschen konsumieren nur die Zeitungen, Sender oder Filme, die dem eigenen Bild von der Wirklichkeit am n\u00e4chsten kommen. Das ist v\u00f6llig in Ordnung. Medien \u00e4hneln in ihrer Funktion einem <strong>anonymen Gespr\u00e4chspartner<\/strong>, der uns von einem Ereignis berichtet (Informationsvermittlung) und seine Meinung dazu \u00e4u\u00dfert (Kommentar). Und doch unterscheidet sich eine Gespr\u00e4chssituation gravierend von der Nutzung eines Mediums.<\/p>\n<p>Im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch k\u00f6nnen wir auf den Bericht unmittelbar reagieren. Wir k\u00f6nnen den Gespr\u00e4chspartner nach weiteren Details fragen. Wir k\u00f6nnen seiner Meinung entweder zustimmen oder unsere abweichende Meinung zum Besten geben und mit ihm in eine Diskussion eintreten.<\/p>\n<p>Und wir k\u00f6nnen \u2013 wenn wir unseren Gespr\u00e4chspartner n\u00e4her kennen \u2013 relativ gut absch\u00e4tzen, wie ernst wir die erhaltene Information und Meinungs\u00e4u\u00dferung nehmen sollten. Ist uns der Gespr\u00e4chspartner als Schw\u00e4tzer, Aufschneider, Wichtigtuer oder in anderer Weise als unseri\u00f6s bekannt oder als ein Mensch, dem wir vertrauen, weil er sich in der Vergangenheit bei Sachinformationen als korrekt und kompetent erwiesen hat und vorschnelle Schlussfolgerungen und Urteile meidet?<\/p>\n<p>Unser Vertrauen gegen\u00fcber dem Medium, das wir regelm\u00e4\u00dfig nutzen, ist mit viel mehr Unsicherheit behaftet als im Falle des pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chs. Unsere Beziehung zu den Medien, die wir f\u00fcr w\u00fcrdig erachten, uns glaubhaft zu informieren und uns mit Meinungen zu konfrontieren, ist mit Spannung aufgeladen. Wir zweifeln an bestimmten Informationen, die wir f\u00fcr zu einseitig halten, und wir erregen uns \u00fcber Kommentare, die unserer eigenen Meinung widersprechen.<\/p>\n<p>Hier sehe ich die <strong>erste Funktion<\/strong> <strong>eines anspruchsvollen Mediums<\/strong>: Es fordert mein Denken heraus. Ich reibe mich an ihm und \u00fcbe dabei meinen Sinn f\u00fcr die Plausibilit\u00e4t komplexer Zusammenh\u00e4nge und mein Urteilsverm\u00f6gen. Die <strong>zweite Funktion<\/strong> geht \u00fcber dieses pers\u00f6nliche Training hinaus: Die Zeitung, der Blog, die Sendung verbinden mich mit der \u00f6ffentlichen (ver\u00f6ffentlichten) Debatte. In diese Debatte trete ich ein, indem ich mich auf Informationen st\u00fctze, die ich selbst nicht \u00fcberpr\u00fcfen kann. Ich muss mich also auf mein \u201eLieblingsmedium\u201c verlassen.<\/p>\n<p>Trotz der erw\u00e4hnten Zweifel und Meinungsverschiedenheiten stimmen wir Medienkonsumenten mit der Grundausrichtung der von uns bevorzugten Zeitung oder anderen Informationsquelle im Gro\u00dfen und Ganzen \u00fcberein. Wir haben gegen\u00fcber unserem <strong>Lieblingsmedium<\/strong> so etwas wie <strong>Grundvertrauen<\/strong>. Wir gehen davon aus, dass die von ihm erhaltenen Informationen hinreichend auf ihren Wahrheitsgehalt gepr\u00fcft worden sind, auch wenn wir wissen, dass eine Informationsauswahl getroffen wurde und kein Bericht \u00fcber komplexe Ereignisse perfekt ist. Ohne blinde Flecken und Einseitigkeiten geht es halt nicht.<\/p>\n<p>Wir sind als politisch und kulturell interessierte Menschen verdammt zu diesem \u201eGrundvertrauen\u201c. Wenn wir es nicht haben, k\u00f6nnen wir uns in der auf uns einstr\u00f6menden Informationsflut nicht orientieren.<\/p>\n<p>Es bieten sich nun <strong>zwei \u201eAuswege\u201c<\/strong> an, wenn uns das Vertrauen in die sog. \u201eLeitmedien\u201c des Mainstreams mehr oder weniger abgeht und wir uns trotzdem nicht aus der politischen Debatte zur\u00fcckziehen wollen. <strong>Wenn uns dieses Vertrauen vollst\u00e4ndig fehlt<\/strong>, suchen wir uns eine politische Nische, die uns mehr \u00dcbersichtlichkeit verspricht. Jede politische Nische, jede Gruppierung abseits der politischen Hauptstr\u00f6mungen hat ihre eigenen Informationsquellen. Die halten wir dann f\u00fcr zutreffend und \u201eunbestechlich\u201c, weil sie gegen\u00fcber dem herrschenden Strom der Informationen und Meinungen eine total skeptische bis ablehnende Haltung einnehmen \u2013 genau wie wir selbst. Auf diesem Boden gedeihen leicht ideologisch festgelegte Weltbilder &#8211; bis hin zu Verschw\u00f6rungstheorien. Pauschale Anschuldigungen gegen die \u201e<strong>L\u00fcgenpresse<\/strong>\u201c, wie sie z.B. Pegida erhebt, oder gegen die \u201e<strong>verlogene b\u00fcrgerliche Presse<\/strong>\u201c, wie sie aus linken Kreisen gern erhoben werden, sind dann schnell bei der Hand.<\/p>\n<p>Ich will hier nicht schwarz-wei\u00df malen. Denn ich geh\u00f6re selbst zu den Leuten, die den politischen Hauptstr\u00f6mungen skeptisch gegen\u00fcber stehen. Mir ist allerdings das Vertrauen in die \u201eLeitmedien\u201c nicht vollst\u00e4ndig abhanden gekommen. Daher neige ich zum <strong>zweiten Ausweg.<\/strong> Ich lese mein \u201eLieblingsmedium\u201c in Form einer anspruchsvollen Tageszeitung und verfolge gleichzeitig auch Stimmen, die aus manchen politischen Nischen kommen. Meine Lebenserfahrung dient mir als \u201eKompass\u201c, der mir Hinweise gibt, welchen Informationen ich einigerma\u00dfen trauen kann und wo eher Zweifel angebracht sind, wo ich Einseitigkeiten vermute und wo mir das Gesamtbild vom beschriebenen Ereignis einigerma\u00dfen stimmig erscheint.<\/p>\n<p><strong>Ich komme nun zur Machtfrage<\/strong>:<\/p>\n<p>Inwiefern \u00fcben in einer Demokratie Medien politischen Einfluss aus, wie stark ist dieser und wer \u00fcbt Macht aus?<\/p>\n<p>Es wurde schon darauf hingewiesen: Medien beeinflussen unser Bild von der Wirklichkeit &#8211; unser gesellschaftliches \u201eBewusstsein\u201c \u2013 und damit auch unsere politische Einstellung und das daraus abgeleitete Wahlverhalten. Die Ergebnisse von Wahlen haben gro\u00dfen Einfluss auf Entscheidungen des Parlaments und der Regierung (z. B. auf den Inhalt von Gesetzen), die das Leben des Einzelnen erheblich ber\u00fchren \u2013 positiv und negativ.<\/p>\n<p>Weil sich die Politiker in ihren Entscheidungen am Willen ihrer W\u00e4hler orientieren &#8211; auch ihrer potenziellen W\u00e4hler \u2013 ist die Macht der Medien, die diesen Willen beeinflussen, kaum zu untersch\u00e4tzen. Man spricht von ihr als der <strong>\u201evierten Gewalt\u201c<\/strong> (nach Judikative, Legislative und Exekutive). Ist sie nicht vielleicht sogar, gemessen am politischen Einfluss, die \u201eerste Gewalt\u201c? <strong>Und wer steckt hinter dieser Gewalt?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Zitat und einige Bemerkungen zu den <strong>Medienmachern<\/strong>: Die Medienlandschaft ist von einem kleinen, \u00fcberschaubaren Personenkreis gepr\u00e4gt. Der bekannte <strong>FAZ-Journalist Paul Sethe<\/strong> hat im Jahr 1965 in einem ber\u00fchmt gewordenen Leserbrief an den Spiegel folgende pr\u00e4gnante Beschreibung der <strong>Medienrealit\u00e4t<\/strong> geliefert: \u201e Im Grundgesetz stehen wundersch\u00f6ne Bestimmungen \u00fcber die Freiheit der Presse. Wie so h\u00e4ufig, ist die Verfassungswirklichkeit ganz anders als die geschriebene Verfassung. <strong>Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten<\/strong>. Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer. Ich kenne in der Bundesrepublik keinen Kollegen, der seine Meinung verkauft h\u00e4tte. Aber wer nun anders denkt, hat der nicht auch das Recht, seine Meinung auszudr\u00fccken? Die Verfassung gibt ihm das Recht, die \u00f6konomische Wirklichkeit zerst\u00f6rt es. Frei ist, wer reich ist (\u2026) Und da Journalisten nicht reich sind, sind sie auch nicht frei.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Zitat ist auch heute noch aktuell. Allerdings hat sich die Medienlandschaft inzwischen um das <strong>Internet<\/strong> erweitert, so dass sich heute auch nicht konforme Meinungen leichter verbreiten lassen als fr\u00fcher. Allerdings verbreitet sich \u00fcber das Internet auch sehr viel <strong>Desinformation<\/strong>. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass die hinter den Blogs stehenden Personen vielfach (wie auch in diesem Blog) unerkannt bleiben. Wenn jemand im Internet anonym L\u00fcgen, Halbwahrheiten, verkappte Werbung, b\u00f6se Ger\u00fcchte und diskriminierende Meinungen bis hin zu Verschw\u00f6rungstheorien verbreitet, ist es kaum noch m\u00f6glich, diesen zur Rechenschaft zu ziehen. Das Internet stellt somit besondere Anforderung an seine Nutzer hinsichtlich ihrer F\u00e4higkeit zur kritischen Bewertung der kommunizierten Inhalte.<\/p>\n<p>Das Zitat von Paul Sethe weist auf den <strong>Zusammenhang von Wirtschaftsmacht und Freiheit im Medienbetrieb<\/strong> hin und darauf, dass sich die <strong>Medien in der Hand einer \u00fcberschaubaren Personengruppe<\/strong> befinden &#8211; und damit die M\u00f6glichkeit einer starken Beeinflussung von politischer Meinungsbildung. Dieser Befund korrespondiert mit den im <a title=\"7.- Das Dilemma der Demokratie und seine \u201cL\u00f6sung\u201d\" href=\"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=44\">Beitrag 7<\/a> getroffenen Feststellungen, wo es um den Einfluss von relativ wenigen Vertretern der gro\u00dfen gesellschaftlichen Gruppen geht.<\/p>\n<p>Wir richten nun unseren Blick auf die <strong>Medienkonsumenten<\/strong>: Die von den anspruchsvollen Medien angeregten und mit Inhalten und Meinungen \u201egef\u00fctterten\u201c \u00f6ffentlichen Debatten erreichen nicht die Masse der W\u00e4hler. Denn diese sind nicht gewillt, sich mit komplizierten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen auseinanderzusetzen. Diese Debatten werden haupts\u00e4chlich innerhalb der sogenannten \u201egesellschaftlichen Eliten\u201c gef\u00fchrt, die sich nicht mit instrumentellem Wissen begn\u00fcgen (<a title=\"3.- Wozu brauchen wir unser Wissen?\" href=\"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=25\">siehe Beitrag 3<\/a>), sondern \u00fcber Orientierungswissen verf\u00fcgen. Die Zahl dieser Personen f\u00e4llt bei Wahlen kaum ins Gewicht. Das Gewicht dieser Personen und ihrer politischen Positionen entfaltet sich an anderer Stelle, n\u00e4mlich dort, wo sie <strong>im Rahmen ihres gesellschaftspolitischen Wirkungsfeldes aktiv<\/strong> sind: als Vertreter m\u00e4chtiger gesellschaftlicher Gruppen, zum Beispiel der Wirtschaftsverb\u00e4nde, Gewerkschaften, Automobilclubs, Umweltverb\u00e4nde, Kirchen, Sozialverb\u00e4nde und Gruppen aus der kritischen Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Die politische <strong>Relevanz der Medien in der Demokratie<\/strong> sehe ich vor allem darin, dass die <strong>ver\u00f6ffentlichten Meinungen<\/strong> in der Bev\u00f6lkerung und auch in den Parteien weitgehend <strong>als die herrschende \u201e\u00f6ffentliche Meinung\u201c wahrgenommen<\/strong> werden (vor allem dann, wenn mehrere Medien ins gleiche Horn blasen). Und hier sehe ich auch die gr\u00f6\u00dfte Gefahr.<\/p>\n<p>Die Neigung zur Gleichsetzung von ver\u00f6ffentlichter mit \u00f6ffentlicher (vorherrschender) Meinung ist Grundlage einer sehr gro\u00dfen <strong>Macht der Medien<\/strong>. Und die ist missbrauchbar.<\/p>\n<p>Bei Printmedien, die von politisch, wirtschaftlich und kulturell interessierten und engagierten Teilen der Bev\u00f6lkerung gelesenen und gesch\u00e4tzt werden (wie ZEIT, S\u00fcddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Spiegel, BILD und andere), ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Politiker die Meinungs\u00e4u\u00dferungen in diesen Medien als Hinweis auf die \u201e<strong>Stimmung in der Bev\u00f6lkerung<\/strong>\u201c deuten und sich von ihnen entsprechend beeinflussen lassen. Der gro\u00dfe politische Einfluss weniger Kommentatoren (\u201eMeinungsmacher\u201c) gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr viel beachtete Sendungen des Fernsehens.<\/p>\n<p>Dabei bleibt jedoch gelegentlich unber\u00fccksichtigt, dass die sogenannten \u201eanspruchsvollen Medien\u201c (zu denen BILD nicht geh\u00f6rt) nur von einem <strong>sehr kleinen Prozentsatz der Bev\u00f6lkerung<\/strong> \u00fcberhaupt gelesen, geh\u00f6rt und angeschaut werden. Dieser eher winzige Prozentsatz bestreitet ma\u00dfgeblich die \u00f6ffentliche Debatte, soweit sie \u00fcber diese Medien gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Das ist in meinen Augen kein Mangel. Denn <strong>entscheidend ist, ob eine bestimmte Meinung niveauvoll und plausibel oder schlecht und oberfl\u00e4chlich begr\u00fcndet ist<\/strong>, und nicht, ob die Anzahl derer, die diese Meinung teilen, gro\u00df oder klein ist. In einer lebendigen und zukunftsf\u00e4higen Demokratie kommt es allein auf das Niveau an, auf dem dar\u00fcber gestritten wird, auf welchem Weg das wohlverstandene Wohl der Allgemeinheit zu erreichen sei.<\/p>\n<p>Noch einige Bemerkungen zu unguten Entwicklungen.<\/p>\n<p>Der zu beobachtende <strong>Konzentrationsprozess in der privaten Medienlandschaft gef\u00e4hrdet die Debattenkultur<\/strong>. Von ihrer Vielfalt und hinreichenden Qualit\u00e4t h\u00e4ngt die Kompetenz und Stabilit\u00e4t eines demokratisch organisierten Gemeinwesens ab. Wer das Niveau der Medien absenkt, indem er anspruchsvolle Programme der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wegen angeblich zu geringer Einschaltquoten absetzt, legt die Axt an eine unverzichtbare Institution der Meinungsbildung.<\/p>\n<p>Der Staat muss also die freie und anspruchsvolle Meinungsbildung vor dem freien Markt sch\u00fctzen, weil es dabei nicht aufs Geldverdienen sondern auf die Qualit\u00e4t der Informationen und Kommentare ankommt. Der Prozess der Meinungsbildung, wie er in den<strong> USA<\/strong> zu beobachten ist, kann als <strong>abschreckendes Beispiel<\/strong> dienen. Hier \u00fcben die sich ausschlie\u00dflich in privater Hand befindlichen Medien mit ihrer <strong>marktgl\u00e4ubigen Grundausrichtung<\/strong> einen verh\u00e4ngnisvollen Einfluss auf die Politik aus. Man kann im Fall der USA mit guten Gr\u00fcnden von einer Wirtschaftsdiktatur mit demokratischem M\u00e4ntelchen sprechen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur allgemeinen Medienlandschaft. Ein besonderes Problem ergibt sich dann, wenn sich in der Gesellschaft eine <strong>krisenhafte Stimmung<\/strong> ausbreitet, weil zum Beispiel in der Mittelschicht die Angst vor dem sozialen Abstieg um sich greift.<\/p>\n<p><strong>In Krisensituationen ist nicht mehr das n\u00fcchterne, abw\u00e4gende Urteil gefragt.<\/strong> Die von irrationalen Gef\u00fchlen und Vorurteilen geleiteten Menschen fallen dann auf billige Parolen und auf Demagogen herein, die <strong>einfache L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme<\/strong> versprechen. Die Zustimmung zu diesen \u201eL\u00f6sungen\u201c wird in aller Regel mit dem Verweis auf <strong>Feindbilder <\/strong>und S\u00fcndenb\u00f6cke erleichtert, auf die der Zorn der Bev\u00f6lkerung gelenkt wird. So erspart man sich die Diskussion \u00fcber verschiedene Handlungsm\u00f6glichkeit.\u00a0 So weit sind wir noch nicht. Die Pegida l\u00e4sst allerdings bereits die Bereitschaft dazu erkennen, indem sie den Islam im Deutschland als Problem aufbaut.<\/p>\n<p>Die <strong>Weimarer Republik<\/strong>, in der die Medien versagt haben, kann <strong>ein negatives Lehrst\u00fcck<\/strong> f\u00fcr zugespitzte Krisen sein, die uns hoffentlich nicht heimsuchen werden. Der <strong>Medienunternehmer Alfred Hugenberg<\/strong> ist ein abschreckendes Beispiel aus der damaligen Zeit. Er war vielleicht der bedeutendste <strong>Wegbereiter der nationalsozialistischen Herrschaft<\/strong>. Zu seinem Medienimperium geh\u00f6rten Zeitungen, Verlage, Pressedienste, Werbeagenturen und Filmgesellschaften. Mit seinen journalistischen Mitstreitern hetzte er gegen die Politiker der Weimarer Republik. Der Einfluss dieses Demokratiever\u00e4chters auf die Politik war enorm. Er machte Hitler in b\u00fcrgerlichen Kreisen salonf\u00e4hig. Vielleicht w\u00e4re ohne seine mediale Unterst\u00fctzung Hitler nie an die Macht gekommen. Der verh\u00e4ngnisvolle politische Einfluss Hugenbergs warnt uns vor den Folgen eines zu weitgehenden <strong>Konzentrationsprozesses<\/strong> in der Medienlandschaft.\u00a0\u00a0\u00a0 <a title=\"0.- Inhaltsverzeichnis\" href=\"http:\/\/gedankenschuppen.de\/?p=220\">zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blick in die Zeitung ist ein Blick in die Welt au\u00dferhalb unseres unmittelbaren Erfahrungsraumes. Die Massenmedien erlauben es uns, mit Tatsachen und Meinungen in Ber\u00fchrung zu kommen, die uns sonst verborgen bleiben w\u00fcrden. 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